Tag des Geotops

Entdecken Sie am Tag des Geotops die spannenden Geschichten aus dem bis zu 500 Millionen Jahre alten Untergrund von NRW – bei geführten Wanderungen, bei interessanten Besichtigungen montanhistorischer Anlagen und Museen. Das umfangreiche Angebot bietet für jeden etwas. Seit dem Jahr der Geowissenschaften 2002 gibt es den Tag des Geotops. Er findet deutschlandweit immer am dritten Sonntag im September statt, das ist in 2019 der 15. September.
Der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen koordiniert die Veranstaltungen auf Landesebene und betreut sie fachlich.

Am Tag des Geotops 2018 (16. September) beteiligte sich – wie schon in den Vorjahren – auch der SGV-Bezirk. Der SGV-Wanderführer Dietrich Hoff, Ortsverein Wuppertal, lud zu einer Wanderung ins Tal der Düssel ab Erkrath-Millrath. Der Kalkstein aus der Mitteldevon-Zeit im Untergrund prägt das Düsseltal und seine Umgebung. Das Tal der Düssel ist aus geowissenschaftlichen, landeskundlichen und kulturhistorischen Gründen als Geotop ausgewiesen. Hierzu ist der Wandervorschlag 3
Düsseltal und Osterholz (Zur Bergischen Gastlichkeit) empfehlenswert.

Geotop Schlade

Vor über 400 Millionen Jahren war durch die Kollision verschiedener Erdplatten ein riesiger Nordkontinent (Old-Red-Kontinent) entstanden, der von Nordamerika bis Sibirien reichte. Zwischen 390 und 360 Millionen Jahren, im Devon-Zeitalter, lag die Südküste dieses Kontinents im Bergischen Land. Das heutige Europa lag damals südlich des Äquators. Es herrschten tropische Klimabedingungen. Ein mit Inseln durchsetztes warmes Flachmeer bedeckte weite Gebiete des Bergischen Landes. Vor Inseln und auf Untiefen im Meer wuchsen Korallen-Stromatoporen-Riffe empor. Stromatoporen sind schwammähnliche Riffbildner, die vor etwa 100 Mio. Jahren ausstarben.

In Bergisch Gladbach sind in der Schlade inmitten eines Naturschutzgebietes die unterschiedlichen Lebensbereiche eines solchen urzeitlichen Riffs – von der Brandungszone bis zur Rifflagune – vorzüglich erschlossen. Die Schlade ist ein Trockental. Kein Gewässer durchzieht den stellenweise recht breiten Talgrund. Ursache ist die Wasserlöslichkeit des Kalksteins. Die Gewässer in Gebieten, deren Untergrund aus Kalkstein besteht, folgen vielfach einem unterirdischen Lauf entlang von Spalten und Klüften, die sich durch weitere Lösung des Kalksteins zu Höhlen erweitern können. Ihr heutiges Aussehen verdankt die Schlade allerdings auch dem Menschen, und zwar durch den industriellen Abbau von Kalkstein und Brauneisenerzen vor allem im 19. Jahrhundert. Die schönsten Ziele werden über den Geopfad der Stadt Bergisch Gladbach erschlossen, der jahrelang vom SGV betreut wurde. Zahlreiche Informationstafeln erläutern erdgeschichtliche Hintergründe. Die Stadt hält einen Flyer und eine App zum Download bereit.
Die Schlade ist einer der bedeutendsten Geotope im Rheinland. Die Karstlandschaft im Tal der Schlade ist nun erneut zertifiziert worden. Vor zehn Jahren wurde sie als eine von 77 Nationalen Geotopen bundesweit prämiert. Nun hat die Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien das Gebiet erneut überprüft und die Rezertifizierung ausgesprochen.
Die Schlade bietet aber auch botanische Besonderheiten und mit ihren Erzgruben, Kalksteinbrüchen und den Brennöfen zur Branntkalkerzeugung Einblick in die Wirtschaftsgeschichte des Bergischen Raums.
Weitere Geopfade gibt es in der Region in Lindlar (Steinhauerpfad), Solingen-Burg (Geol. Lehrpfad - über Rundweg A3 ab Talstation Seilbahn), Windeck-Öttershagen (Montan-Rundweg am Besucherbergwerk "Grube Silberhardt") und in Wuppertal (Geopfad, Eulenkopfweg). In Wülfrath gibt es mit dem Zeittunnel eine Ausstellung an einem ungewöhnlichen Ort: In einem alten, 160 m langen Abbautunnel werden 400 Millionen Jahre Erdgeschichte und acht Erdzeitalter mit allen Sinnen erlebbar.

Der Boden erzählt

In Nordrhein-Westfalen gibt es neben dem Lehrpfad Raffelsbrand-Hürtgenwald in der Eifel den Bodenlehrpfad Königsforst, einem Waldnaturschutz- und Naherholungsgebiet für etwa zwei Millionen Menschen östlich Köln. Der Bodenlehrpfad Königsforst gibt an sechs Stationen Einblick in die Vielfalt der Bodenausbildung und zeigt, wie der Boden als Waldstandort genutzt wird, ob die "richtigen" standortgerechten Bäume dort wachsen oder wie man ihn noch besser nutzen könnte. Der Boden ist Grundlage alles Lebens. Er ist eines der kostbarsten Güter der Menschheit und ein „Multifunktionstalent“, nur begrenzt verfügbar, nicht vermehrbar und leicht zerstörbar. An jeder Station ist ein Querschnitt in den Boden gegraben, eine Schautafel erklärt seine Ausbildung und seine Eigenschaften. Vor allem jungen Menschen soll der Bodenlehrpfad die Natur noch näher bringen und den Wald erlebbar machen. Nur wer den Boden kennt, kann ihn schützen.

Hier geht`s lang - der Bodenlehrpfad Königsforst
(Abb.: Geol. Dienst NRW).
Auf dem Waldparkplatz an der Bensberger Straße, kurz vor dem Ortseingang Forsbach, gibt eine Übersichtskarte Aufschluss über die Lage der sechs Stationen des Bodenlehrpfads.

Eine kostenlose Broschüre mit Erläuterungen zum Bodenlehrpfad Königsforst gibt es beim Geologischen Dienst Nordrhein Westfalen. Führungen für Schulen bietet der Ortsverein Bergisch Gladbach an.