Tag des Geotops 2011 am 18. September 2011 
 
Am Tag des Geotops 2011 besann sich die SGV-Region Bergisches Land/Rheinland auf das historische Herzogtum Berg und bot eine Führung zu Vulkanruinen im Amt Löwenburg, einer Verwaltungseinheit des historischen Herzogtums Berg im Siebengebirge an. Eine erdgeschichtliche Wanderung ab der Margarethenhöhe führte über den Stenzelberg (Bausteine für das Kloster Heisterbach) und den Weilberg (eine steinerne Tulpe) zum ehem. Kloster Heisterbach.                                                                                 
Vor rd. 25 Mio. Jahren, zur Zeit des Tertiärs (im ausgehenden Oligozän), stieg im Bereich des Siebengebirges Gesteinsschmelze aus einer Magmenkammer auf. Auf ihrem Weg zur Erdoberfläche blieb die Schmelze jedoch stecken und es kam zu einem „Differentiationsprozess". Dadurch entstanden Unterschiede in der chemischen Zusammensetzung der Magmen, aus denen die Gesteine kristallisierten. Man findet schwarze Basalte (und Basanite) am Weilberg, graue Latite am Stenzelberg und hellgraue Trachyte am Drachenfels. 
Das Steinmetzamt der Stadt Köln ließ bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts am Drachenfels Trachyt als Baustein brechen. Als es sich weigerte, eine vom Burggrafen vom Drachenfels verlangte Preiserhöhung anzuerkennen, wurden diese Brüche geschlossen. Daraufhin schlossen die Kölner mit dem Abt des Klosters Heisterbach einen Vertrag über die Steingewinnung am Stenzelberg. Dort wurden 600 Jahre lang, bis 1931, Steine gebrochen. Der Latit konnte zunächst wegen des weiten Transports zum Rhein nicht mit dem Drachenfels-Trachyt konkurrieren. Erst im 19. Jahrhundert gewann der Stenzelberg eine führende Rolle unter den Steinbruchbetrieben. Der im Jahr 1940 still gelegte Basaltsteinbruch am Weilberg erlaubt einen hervorragenden Einblick in die Prozesse, die vor etwa 25 Mio. Jahren den heute weitgehend erodierten Siebengebirgs-Vulkankomplex aufgebaut haben.
 
Bereits zum 10. Mal fand der bundesweite Tag des Geotops statt. Er stand auch 2011 wieder unter der Schirmherrschaft von Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Prof. Dr. Annette Schavan.
Unterwegs am Stenzelberg 
 
20 Veranstaltungen konnten in Nordrhein-Westfalen besucht werden – unter anderem in Solingen und Wuppertal. Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen unter http://www.tag-des-geotops.de/und http://www.gd.nrw.de/a_v11tdg.htm.
Vor über 400 Millionen Jahren war durch die Kollision verschiedener  Erdplatten ein riesiger Nordkontinent (Old-Red-Kontinent) entstanden, der von Nordamerika bis Sibirien reichte. Zwischen 390 und 360 Millionen Jahren, im Devon-Zeitalter, lag die Südküste dieses Kontinents im Bergischen Land. Das heutige Europa lag damals südlich des Äquators. Es herrschten tropische Klimabedingungen. Ein mit Inseln durchsetztes warmes Flachmeer bedeckte weite Gebiete des Bergischen Landes. Vor Inseln und auf Untiefen im Meer wuchsen Korallen-Stromatoporen-Riffe empor. Stromatoporen sind schwammähnliche Riffbildner, die vor etwa 100 Mio. Jahren ausstarben.

In Bergisch Gladbach sind in der Schlade inmitten eines Naturschutzgebietes die unterschiedlichen Lebensbereiche eines solchen urzeitlichen Riffs – von der Brandungszone bis zur Rifflagune – vorzüglich erschlossen. Die Schlade ist ein Trockental. Kein Gewässer durchzieht den stellenweise recht breiten Talgrund. Ursache ist die Wasserlöslichkeit des Kalksteins. Die Gewässer in Gebieten, deren Untergrund aus Kalkstein besteht, folgen vielfach einem unterirdischen Lauf entlang von Spalten und Klüften, die sich durch weitere Lösung des Kalksteins zu Höhlen erweitern können. Ihr heutiges Aussehen verdankt die Schlade allerdings auch dem Menschen, und zwar durch den industriellen Abbau von Kalkstein und Brauneisenerzen vor allem im 19. Jahrhundert. Die schönsten Ziele werden über den Geopfad der Stadt Bergisch Gladbach erschlossen, der vom Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) betreut wird.
Die Schlade ist einer der bedeutendsten Geotope im Rheinland und seit 2006 Nationaler Geotop – einer von 77 in Deutschland. Sie bietet aber auch botanische Besonderheiten und mit ihren Erzgruben, Kalksteinbrüchen und den Brennöfen zur Branntkalkerzeugung Einblick in die Wirtschaftsgeschichte des Bergischen Raums.
Weitere Geopfade gibt es in der Region in Lindlar (Steinhauerpfad), Solingen-Burg (Geol. Lehrpfad - über Rundweg A3 ab Talstation Seilbahn), Windeck-Öttershagen (Montan-Rundweg am Besucherbergwerk "Grube Silberhardt") und in Wuppertal (Geopfad, Eulenkopfweg). In Wülfrath gibt es mit dem Zeittunnel eine Ausstellung an einem ungewöhnlichen Ort: In einem alten, 160 m langen Abbautunnel werden 400 Millionen Jahre Erdgeschichte und acht Erdzeitalter mit allen Sinnen erlebbar.
 
 
In Nordrhein-Westfalen gab es bislang nur einen Bodenlehrpfad, den Lehrpfad Raffelsbrand-Hürtgenwald in der Eifel. Nun gibt es auch im Königsforst, einem Waldnaturschutz- und Naherholungsgebiet für etwa zwei Millionen Menschen östlich Köln einen solchen Lehrpfad. Der Bodenlehrpfad Königsforst gibt an sechs Stationen Einblick in die Vielfalt der Bodenausbildung und zeigt, wie der Boden als Waldstandort genutzt wird, ob die "richtigen" standortgerechten Bäume dort wachsen oder wie man ihn noch besser nutzen könnte. Der Boden ist Grundlage alles Lebens. Er ist eines der kostbarsten Güter der Menschheit und ein „Multifunktionstalent“, nur begrenzt verfügbar, nicht vermehrbar und leicht zerstörbar. An jeder Station ist ein Querschnitt in den Boden gegraben, eine Schautafel erklärt seine Ausbildung und seine Eigenschaften. Vor allem jungen Menschen soll der Bodenlehrpfad die Natur noch näher bringen und den Wald erlebbar machen. Nur wer den Boden kennt, kann ihn schützen. 
  

Hier geht`s lang - der Bodenlehrpfad Königsforst
(Abb.: Geol. Dienst NRW)
Eine kostenlose Broschüre mit Erläuterungen zum Bodenlehrpfad Königsforst gibt es beim Forstamt Bergisch Gladbach und beim Geologischen Dienst Nordrhein Westfalen. Führungen für Schulen bieten das Forstamt und der Ortsverein Bergisch Gladbach des Sauerländischen Gebirgsvereins an.
Geotope sind Orte der Erde, das heißt Orte, die Einblicke geben in erdgeschichtliche und geologische Besonderheiten. Sie vermitteln Erkenntnisse über die Entwicklung, den Aufbau, die Eigenschaften und die verborgenen Schätze der Erdkruste.  
In einem Lindlarer Grauwackesteinbruch
Seelilienstilglieder in der Grauwacke
Suche nach Versteinerungen
Blockriff in der Schlade
Info-Tafel Köln-Rath 
(Foto: Alfons Lückerath)